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Ein Stein mit einer interessanten Vergangenheit

Vor der evangelischen Kirche wurde eine Nachbildung der "Grabstele von Niederdollendorf" enthüllt

(ik) Niederdollendorf. Ein Zeugnis aus früherer Zeit, eine Grabstele, ziert nun die Grünfläche vor der evangelischen Kirche in Niederdollendorf. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Es wurde im Jahre 1901 neben Schmuck, Gefäßen und Waffen bei den Bauarbeiten für das Didier-Werk in Niederdollendorf gefunden. Werksleiter Klaus Düpre hatte für diese Nachbildung der Stele einen Betrag von 2000 Euro bereit gestellt. Für Joachim Hirzel war dies ein ganz besonderer Tag. Seiner Initative war es zu verdanken, dass diese Enthüllung überhaupt stattfinden konnte. Sein Geschichtsinteresse hatte ihn motiviert, das Projekt "Grabstele von Niederdollendorf" anzugehen. Unterstützung erhielt er bei seinem Vorhaben von dem Museum, der Stadt Königswinter und der Kirchengemeinde. Letztere wurden vertreten durch Bürgermeister Peter Wirtz und Pfarrerin Anna Kathrin Quaas. Zu den geschichtlichen Hintergründen vermochte Gabriele Uelsberg, Direktorin des Rheinischen Landesmuseums einiges zu erzählen. "Man kann diese Stele sicherlich nicht als besonders schön bezeichnen. Sie stellt aber durchaus ein bedeutendes Zeugnis der Historie dar und ist weit über die Grenzen von Königswinter bekannt, hat gar weltweite Bekanntheit erlangt", so Uelsberg, "Wir sind stolz darauf, diesen Stein in unserem Fundus zu haben, er weiß wie kein anderer Stein vieles zu erzählen und reichhaltiges Wissen zu vermitteln". Zur Zeit des Fundes gab es noch keine dokumentierten archäologischen Ausgrabungen, man geht jedoch davon aus, dass der Stein zu einem fränkischen Friedhof gehörte und aus dem 6. Bis 7. Jahrhundert stammt. Mehrere Grabkammern führten zu den damaligen Funden. Noch zu Lebzeiten des Bestatteten ist er vermutlich gestaltet worden. Der Stein zeigt auf der einen Seite eine männliche Figur mit einem Schwert in der Hand. Sie kämmt sich das Haar, was darauf hin deutet, dass der Bestattete eine entsprechende Stellung einnahm, denn die Haarpracht galt bei den Franken als Statussymbol. Der abgebildete Mensch auf der anderen Seite des Steines zeichnet sich durch den Lichterkranz aus, der sein Haupt umschließt. Dies könnte den Bezug zu einer Christus-Darstellung herstellen und somit nahelegen, dass der Bestattete ein Christ gewesen sein könnte. Diese Verbindung von christlichen und germanischen Symbolen macht diesen Stein derart einzigartig und zeigt den Umbruch einer ganzen Gesellschaft auf. "Es ist ein wichtiger Beitrag für die Erinnerungskultur in Königswinter", so Joachim Hirzel, "Der Stein gibt Zeugnis einer früheren Zeit und stellt ein Stück ältester Heimatgeschichte dar, die nun auch in Niederdollendorf erlebbar ist". Auf das Original, dass aufgrund der Witterungseinflüsse bereits den ein oder anderen kleinen Riss aufzeigt, versprach Uelsdorf, wird man im Landesmuseum bestens aufpassen. Der Dank an das Museum war Hirzel ein Anliegen, denn durch viele Gespräche und eine intensive Beratung ist dieses Projekt von dort aus tatkräftig unterstützt worden.

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Veröffentlicht
02. Juli 2016, 00:00