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Ein großer Schritt in Richtung Europa

10.05.10 : 14:42 : 386 mal gelesen : Verstoß melden
veröffentlicht von Unserort Redaktion für
Gemeinde Reichshof

Erstmals Reichshofer bei Gedenktag in Partnergemeinde

Erstmals Reichshofer bei Gedenktag in Partnergemeinde

Der 4. Mai ist für alle Niederländer ein ganz besonderer Tag. Für zwei Minuten wird um 20.00 Uhr der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht. Zwei Minuten des Innehaltens, des Schweigens. Die Fahnen auf öffentlichen Plätzen und an vielen Häusern sind auf Halbmast und weiße Rosen werden an den Gedenkstätten niedergelegt. 65 Jahre nach Kriegsende erhielt Bürgermeister Rüdiger Gennies die Einladung des „4. Mai Comitees“ aus der Reichshofer Partnergemeinde Noordenveld, an diesem bedeutungsvollen und geschichtsträchtigen Tag mit einer kleinen Delegation teilzunehmen. Erstmals waren Deutsche bei dieser Gedenkfeier in Roden, einem Ortsteil der niederländischen Gemeinde dabei.

„Rund 400 Rodener, darunter viele junge Menschen, gedachten gemeinsam mit uns der Opfer. Für einige gewiss befremdlich. Jedoch hatten wir alle das innige Gefühl, einen großen Schritt zur Völkerverständigung und für ein vereintes Europa gemacht zu haben“, so Gennies nach der Gedenkfeier.

Begleitet wurde Gennies von seiner Lebensgefährtin Petra Simon, Jana Fricke aus Allinghausen sowie Dominique Spanier aus Sinspert, beide 19 Jahre alt und Schülerinnen an der Gesamtschule Reichshof. Die Geste der Schülerinnen, die ein Blumenbuquet an der Gedenktafel niederlegten, war ein weiteres Zeichen der Versöhnung. Ihre Lehrerin Andrea Rohof lebte selbst einige Jahre in den Niederlanden und konnte nicht nur sprachlich auf beiden Seiten vermitteln, Außerdem nahmen Heike Prößler, Fraktionsvorsitzende von Reichshofs BÜNDNIS 90/Die Grünen und Uschi Valbert, Büro des Bürgermeister, teil.

Zuvor besuchten Rodener und Reichshofer gemeinsam die Ausstellung „Die Geschichte eines Verbrechens“ von Robert Hans Olschwanger im Het Koetshuis. Der Berliner Karikaturist mit jüdischer Abstammung flüchtete 1941 nach Argentinien. Sein Enkel stellte rund 300 Zeichnungen aus einem über 4000 Exemplare stammenden Fundus für diese Ausstellung zusammen, von der sich Gennies wünscht, diese auch nach Reichshof zu holen. Die Zeichnungen spiegeln mal humoristisch, mal grausam die Gräueltaten der Naziherrschaft wider.

Nach der Besichtigung schrieben Deutsche und Niederländer gemeinsam mit Steinen den Satz „Lebe jeden Tag, als wenn es dein Letzter wäre“ auf eine Mauer im benachbarten Museumsgarten.

Am Abend folgte dann der Festakt, der von Bürgermeister Hans van der Laan eröffnet wurde. Elly van Pagee, die mit ihrem Comité die Gäste überaus freundlich betreute und bewirtete, gedachte in ihrer Ansprache auch einem gefallenem deutschen Soldaten und brachte damit zum Ausdruck, dass Schuld auf beiden Seiten zu finden ist.

Nach der Gedenkfeier kamen zum obligatorischen Kaffee alle in „De Pomopstee“ zusammen. Auch hier war die Herzlichkeit der Rodener überwältigend. Ein deutliches Zeichen durch Händeschütteln und Danksagungen bekräftigte die Delegation, dass ein großer Schritt zur geschichtlichen Versöhnung gemacht wurde. (U.V.)


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