Die Mär vom Trinken
12.08.11 : 14:45 : 203 mal gelesen : Verstoß melden
geschrieben von H. Arno D.
Manche Menschen (meist weiblichen Geschlechts) verlassen die heimischen vier Wände gerüstet wie bei einer Wüstenexpedition, wenn sie nur einkaufen gehen, schreibt Dr. M. Heier über „den ständigen Kampf gegen vermeintlichen Durst“ jüngst in der Kölnischen Rundschau.
Manche nutzten Apps auf dem i-phone, die sie periodisch piepend ans Trinken erinnern.
Sie erinnern sich nochan die Tamagotchi-Hype? Wie viele der virtuellen Haustiere "starben" qualvoll piepsend an Flüssigkeitsmangel ...
Allzu plötzlich könnte akuter Flüssigkeitsmangel sie wie aus dem Nichts überfallen und, wenn schon nicht zum Tode, so doch aufs Krankenlager bringen, fürchten die Gläubigen.
Ich habe sie beim Gang zur Schule, zur Arbeitsstelle, in der Universität, beim Konzert, im Gottesdienst, ankässlich von Familienfeiern oder in der Oper beobachtet und meine Verwunderung kaum verbergen können. Fußballtrainer (Frontzeck, Meier) überleben das wöchentliche Spiel anscheinend nur durch ständiges Nuckeln an der Schnabelflasche. Das gemahnt irgendwie an zwanghaftes Suchtverhalten oder die orale Kindheitsphase.
Irgendwann in den achtziger Jahren des 20 Jhds kam die Mär auf, man müsse täglich MINDESTENS ANDERTHALB LITER PRO TAG schlucken, um den Flüssikeitsverlust auszugleichen. Auf zahllosen Internetseiten finde ich sogar steif und fest die Behauptung "DREI LITER ..".
Mehr sei besser. Sportler müssten noch weit mehr trinken.
Im wissenschaftlichen Teil der FAZ hingegen finde ich Genaueres bei N. v. Lutterrotti „Viel trinken – eine Mär?“
Jüngst machte sich M. Mc Cartney, Glasgow, siehe ‚British Medical Journal’ auf die Suche und fand – weltweit keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis (doi:10.1136/bmj.d4280).
Ganz im Gegenteil könne zu viel trinken sogar – TÖDLICH sein.
Sportler, v. a. Ausdauerleister, aber auch Senioren, bilden eine Ausnahme. Erstere, weil ihr Flüssigkeitsverlust durch Ausatmen und Schwitzen überdurchschnittlich sei, Letztere, weil mit dem Alter das Durstgefühl schwächer werde.
Es gebe keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Haut bei hohem Wasserzufluss straffer bleibe und Krankheiten vermieden würden.
Die amerikanischen Nephrologen (Nierenspezialisten) Dan Negolanu und Stanley Goldfarb von der Pennsylvania University äußern sich weit kritischer. Ihren Erkenntnissen zu Folge droht bei zu viel Flüssigkeitskonsum (v. a. Wasser) die sogen. HYPONATRIÄMIE. Durch zu viel Flüssigkeit werde die Natriumkonzentration im Blut derart verwässert, dass Organversagen bis hin zum Tode drohen könnten (‚Journal of American Society of Nephrology’, Bd. 19, S. 1041). Hyperanämien bei Sportlern hätten Ende des vergangenen Jahrhunderts bei Sportlern auf einmal epidemisch zugenommen, berichtet T. Noakes vom Institut für Sportwissenschaften der Uni Kapstadt im ‚British Journal of Sportsmedicine’, Bd. 45, S. 475.
„Von der Getränkeindustrie meisterlich orchestriert …“ befindet Lutterrotti und bezeichnet es als „Wasserkult“. Das habe nichts damit zu tun, dass der Mensch nur wenige Tage ohne Flüssigkeitszufuhr überleben können.
Pikanterweise stammen die meisten „Untersuchungen“ von „Forschern" des „American College of Sports Medicine, der weltweit größten Fachgesellschaft.“ Etliche der Verfasser des entsprechenden Positionspapiers pflegen lt. FAZ „enge Verbindungen mit der GETRÄNKEINDUSTRIE“. Lutterrotti verweist auf die Webseite von Danone, dem französischen Getränkehersteller „Hydration for Health Initiative“ mit der Aussage: „Wir trinken nicht genug Wasser“.
Zwar entstünden ständig neue Studien, die zu geringe Mengen an Flüssigkeitsaufnahme für die Entstehung mancher Krankheit verantwortlich machten, doch sei deren Wert bei Licht betrachtet marginal bis nicht vorhanden.
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Sehr richtig. Mann mus wohl von sehr erfolgreichem Lobbyismus und intelligenter PR sprechen, schaut man sich einmal den Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser in der Entwicklung an: http://www.mineralwass…300dpi.jpg