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Herzlos-Bürgermeister gibt Heimtieren Schuld für zurückliegende Beschlüsse

15.12.10 : 14:57 : 520 mal gelesen : Verstoß melden
geschrieben von Christoph H.

Bordeaux-Doggen-Mix, Fotograf: Christoph Hardt

Weihnachtszeit. Die Tierheime quillen über. Und gar manches Lokalblatt bringt in diesen Tagen aus Nächstenliebe gratis Anzeigen für die Vermittlung von Heimtieren.

Nicht so in Nümbrecht. Hier verselbständigte sich der Übereifer des Gemeindekämmerers Reiner Mast zu einer grotesken öffentlichen Hatz gegen zwei herrenlose Hunde.

Was war passiert? Die beiden Hunde wurden ins Tierheim gebracht, weil ihr Herrchen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Bei der Durchsicht seiner Unterlagen gefiel dem Beamten die Summe für die jährliche Verpflegung dann so gar nicht: 12.800 Euro.

Gemeinsam mit Bürgermeister Hilko Redenius (CDU) sah man die Gelegenheit gekommen, eigene Schmutzwäsche loszuwerden, und ersann folgenden PR-Stunt: Erst einen besonders medientauglichen Kostenpunkt aus dem Notfall-Budget der überschuldeten Gemeinde herauspicken, und diesen dann den gesetzlich vorgeschriebenen Tierheim-Kosten gegenüber stellen. Sie wurden schnell fündig bei der Mittagstafel für Schulkinder. Deren Ausgaben hatte man nämlich vorher schon auf 0 optimiert.

Jetzt benachrichtigte man die örtlichen Medien wegen dieser "ungeheuerlichen Schizophrenie" - wie Rainer Mast immer noch stolz am Telefon sagt, als hätte er ein Stilmittel in einem Abitur-Gedicht entdeckt - und konnte sich genüsslich zurücklehnen. Denn sah es nun endlich so aus, als hätte nicht der Bürgermeister schon lange vorher den Kindern das Essen am Schreibtisch vom Teller gestrichen, sondern zwei Kampfhunde aus heiterem Himmel alles weggefuttert.

Die Medien-Hetze ließ nicht lange auf sich warten: Bei RTL sieht man hungrige Kinderaugen, leere Teller und offenbar Archivbilder von irgendwelchen Tierheim-Hunden mit dem Aufmacher "Kohle für Kampfhunde - Warum im Oberbergischen solche Bestien besser behandelt werden als Kinder": ()

Am nächsten Tag beißt auch die Lokalredaktion der Bild-Zeitung an. Andreas Rickmann darf aufs Land fahren und ist sich mit den beiden Provinzpolitikern schnell einig. Eine Hand wäscht die andere.  So schreibt er am nächsten Tag: "Kampfhund-Wahnsinn weil Herrchen im Knast!": ()

Auch er übernimmt die Milchmädchen-Rechnung der Gemeinde ohne zu hinterfragen und lanciert die Message im Kernsatz: "Unfassbar: Obwohl die chronisch klamme Gemeinde für die Kampfhunde blechen muss, darf sie wegen ihres Nothaushalts zum Beispiel kein Geld für das Schulprojekt „Kein Kind ohne Mahlzeit“ ausgeben."

In den () finden sich Stilblüten wie

"für solche köter, die was wo sind killer-bestien, tut selbst die todesspritze - wie wo wohl was weniger als einen euro kostentut - noch zu viel kosten tun. wegsperren und aussterben lassen tun, die stinkende und sabbern tuende fellmonster!"

"Einschläfern! Einschläfern!" Bestätigt man sich gegenseitig. Für Griechenland hätte man schließlich auch schon gezahlt. Irgendwo sei eben Schluss! Kinder statt Kampfhunde. Der übliche Tenor. Keine Hundeseele zu geschunden, nicht zum Advent nochmal draufzutreten.

Dabei wird das Geld in Nümbrecht seit Jahren schon für ganz andere Dinge ausgegeben. 1,75 Millionen Beispielsweise von der Landesregierung wandern nicht auf die Teller der Kinderlein, sondern direkt in die Sanierung des Prestige-Projektes Schloss Homburg. Dieses wird bereits ein halbes Jahrzehnt renoviert. Und die Kinder sollen derweil keinen Kuchen essen, sie sollen einfach gar nichts essen.


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