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Tanzen ist schöner als Torkeln…

25.01.10 : 11:44 : 72 mal gelesen : Verstoß melden
veröffentlicht von Unserort Redaktion für
Kreis Soest

Startschuss mit charmanter Unterstützung
Die Mädels von der Tanzgarde des TV Rot-Weiß Flerke wissen ganz genau, dass das pfiffige Motto der Gesundheits- und Jugendschutzkampagne stimmt. Deshalb präsentierten sie beim Startschuss eines der Plakate. Das Bild zeigt (v. l.) Britta Hebestreit, Cindy Jungnitsch, Ulf Pabst (Kreisjugendamt), Udo Spiekermann (RLG), Kornelia Witt (Gesundheitsamt), Daria Czeczor und Angelika Hurek. Foto: Müschenborn/Kreis Soest

Kreisweite Kampagne zum Gesundheits- und Jugendschutz

(kso.2010.01.25.026.-rn). Mit der Gesundheits- und Jugendschutzkampagne „Tanzen ist schöner als Torkeln…“, die unter der Schirmherrschaft von Landrätin Eva Irrgang steht, wollen der Kreis Soest, die Ordnungsämter der 14 kreisangehörigen Städten und Gemeinden, die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG) und der Einzelhandelsverband Südwestfalen e. V. rechtzeitig vor dem Beginn der heißen Phase der Karnevals-Session einen Kontrapunkt setzen. „Angesichts des zunehmenden Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen werden Aufklärung und Information immer wichtiger“, betont Kornelia Witt, Suchtprophylaxefachkraft des Kreises. Deshalb wollen die Ordnungsämter mit einem Anschreiben die örtlichen Alkoholverkaufsstellen auf ihre Verantwortung zum Jugendschutz hinweisen. „Gerade zur Karnevalzeit mit der ausgelassenen und fröhlichen Stimmung ist es leicht für Kinder und Jugendliche, den Alkohol zu konsumieren. Deshalb ist es auch in der närrischen Zeit wichtig für uns Erwachsene, Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Alkohol nicht zu erleichtern“, appelliert Ulf Pabst, Jugendschützer des Kreises. In vielen Läden und Kiosken hängen die Kampagnen-Plakate aus: „Wir verkaufen keinen Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren. Hochprozentiges gibt’s erst ab 18.“

Erklärtes Ziel der Aktion ist es, verunsicherten Erwachsenen zu zeigen, dass es ein „Wir“ in der Verantwortung für Kinder und Jugendliche gibt. „Die Erwachsenen sind es, die den Kindern Alkohol zugänglich machen“, ist Kornelia Witt von der Suchtvorbeugung sicher. „Das geschieht entweder ahnungslos, leichtfertig oder vorsätzlich.“ Zu viele Kinder und Jugendliche griffen zur Flasche. Fast jeder Fünfte zwischen 12 und 17 Jahren trinke regelmäßig pro Woche Alkohol.

Ein wichtiger Kooperationspartner ist auch in diesem Jahr wieder das heimische Nahverkehrsunternehmen RLG. Es wird in den StadtBussen in Lippstadt und Soest gezielt auf die Aktion aufmerksam machen. Auch in den RegioBussen sowie im NachtBus N1 Lippstadt-Erwitte-Anröchte, der in der Karnevalszeit verstärkt genutzt wird und der an Weiberfastnacht mit zusätzlichen Fahrten im Einsatz ist, werden die Plakate ausgehängt. „Wir hoffen, dass gerade bei den vielen Schülerinnen und Schülern, die wir täglich in unseren Bussen befördern, die Botschaft entsprechend ankommt“, so Udo Spiekermann vom RLG-Verkehrsmanagement.

Aber auch die Eltern möchte Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes und selbst Vater von drei Kindern, nicht aus der Verantwortung entlassen: „Wenn ein Kind völlig betrunken nach Hause kommt, muss man die Gründe herausfinden. Ich darf nicht wegsehen, sondern muss mich fragen, was ich tun kann, dass es bei der nächsten Feier nicht wieder passiert. Eltern sollten wissen, dass Alkohol den wachsenden Körper stärker schädigt. Alkohol ist ein Zellgift, das bei Erwachsenen erst nach Jahren oder Jahrzehnten zu Leber- oder Nervenschäden führt, wenn regelmäßig größere Mengen getrunken werden. Dagegen ist die Empfindlichkeit von Kindern um ein Vielfaches höher.“ Ein frühzeitiger regelmäßiger Alkoholkonsum ab einem Alter von 10 bis 14 Jahren führe bereits nach wenigen Jahren zu Organschäden. Im Nervensystem bedeute dies Intelligenzschäden oder Veränderungen der Persönlichkeit. Renken: „Darum ist es zu allererst wichtig, dass wir als Eltern sofort reagieren, mit unseren Kindern sprechen und ihnen klar machen, dass es kein vorübergehender Spaß ist, sondern sie ihre Zukunft mit diesem Spaß endgültig zerstören.“

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, hat zur Jahreswende darauf hingewiesen, dass die Zahl der alkoholvergifteten Kinder und Jugendlichen. die stationär behandelt werden mussten, weiter angestiegen sei. Seit der Ersterhebung im Jahr 2000 (9.500 Kinder und Jugendliche) seien die Alkoholvergiftungen um 170 Prozent auf 25.700 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren gestiegen. Dieser traurige Rekord der letzten 10 Jahre zeichne sich besonders in der Altersgruppe der 10 bis 15-Jährigen ab. Besorgniserregend sein hier die 4.500 Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren, die stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Zahl der Alkoholvergiftungen sei in dieser sehr jungen Altersgruppe um 19 Prozent gestiegen. Eine erschreckende Entwicklung sei die Zunahme der Alkoholvergiftungen bei den 10- bis 15-jährigen Mädchen. In dieser Teilgruppe seien die Alkoholvergiftungen um 22 Prozent von 1.900 auf 2.400 angestiegen. Damit hätten die volltrunkenen jungen Mädchen (2.400) bereits zum zweiten Mal die Altersgruppe der Jungen (2.100) überholt.


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