O Soldo mio!
07.11.09 : 11:24 : 702 mal gelesen : Verstoß melden
geschrieben von H. Arno D.
Ein geheimnisvoller Trainer. Eine seltsame Mannschaft. Ein rätselhafter Chor am Geißbockheim ..
O Soldo mio!
Die Szene (Köln, Grüngürtel): Im fahlen Dämmerlicht eines nebligen Septembermorgens. Gegen 11 Uhr. Ca. 20 schemenhafte Gestalten schälen sich nach und nach aus dem Unterholz.
Chor (unsichtbar) intoniert samtweich ‚O Soldo mio'!
Der Nebel verdichtet sich schlagartig. Eine Nobelkarosse prescht auf 10 – Zoll – Felgen durch die Pfützen der Cluballee und schüttet kü- belweise Wasser auf die Männer mit den Waschbrettbäuchen, die sich langsam aus Trainingsanzügen schälen.
Alle telefonieren gleichzeitig mit ihren Handys. Mit ihren Spielerbe- ratern. Neue Angebote? Flächendeckend Fehlanzeige.
Mann mit Trillerpfeife im Mund. „Wasse du mache, Offerath?“
Ein Mann in rotweißer Livree springt aus dem weißen Porsche, setzt eine rote Schiebermütze auf, während er um das Auto herum wieselt, reißt die rechte Tür auf und verbeugt sich andeutungsweise. Ein sportlicher Mann mit Altweibersommerfäden im schwarzen Haar federt heraus. Am linken Ohr ein Handy.
Overath: „Rühr Dich, Steff! Wer es dat dann? Dä Käl en denne Trainingsklamotte? Mit de Pief en d'r Muhl?“
Engels, genannt Steff, stottert: „ D' r Zoffnimieh Soldo.“
Im Hintergrund, lauter: 'O Soldo mio'!
Overath: „Dä kenn' ich nur em Anzog! Zoff-ni-mieh??“
Engels: „Ja, Scheff. Mir wolle keine Zoff nie mieh. Hammer jenoch jehatt. Met dem Daum. Dä Soldo es ene Leeve.“
Overath, leise: „Leeve? Bruche mer net. Fott domet!“
Soldo: „Zvonimir. Ich Zvonimir.“
Im Hintergrund, noch lauter: 'O Soldo mio'!
Overath, Engel, unisono: „Ha! Ha! Wor doch Spaß! Dat wisse mir doch!“ An die pumpenden Sportler gewendet: „Doht üch avvdrügge, ihr verkillt üch nur!“
Keiner bewegt sich. Keiner hat den Befehl verstanden. Eine Herde Dolmetscher kommt angekeucht und versucht zu übersetzen. Keiner von ihnen versteht Kölsch.
Alle telefonieren mit dem Handy.
Die Spieler stehen herum wie begossene Pudel.
Overath, zur Seite, flüsternd: „He, Steff! No jokes with names. Mit Namen macht man keine Scherze!“
Poldi, zusammen mit den Dolmetschern angekommen, weil er unterwegs mal pieseln musste, ist als einziger trocken geblieben, sieht keinen Grund sich umzuziehen und grinst.
Nova hinkt aus dem Nebel auf die Gruppe zu. Telefoniert mit dem Handy. Mit dem Nationaltrainer von Slowenien. Macht ihm klar, dass er in jedem Fall gegen das übermächtige San Marino antreten kann. "FC ische malata."
Hinter ihm tobt Sanou mit Flick Flacks und Salti heran. Tosender Beifall von ca. 11 Rentnern, die wie jeden Tag beim Training kiebitzen.
La Ola wird gestartet.
Ein BMW Mini biegt langsam auf den kleinen Parkplatz vor dem FC-Heim. Ein kleiner, äußerst muskulöser Mann federt heraus.
Rentner: „Dä kenn ich! Dat es dr Hambüchen. Dr Fabian Hambüchen. Dr Turnweltmeister.“
Soldo: „Wasse du wolle, Hambüch?“
Der Ankömmling ignoriert ihn, geht auf Wilfried Sanou zu, schüttelt ihm die Hand.
Hambüchen: „Wilfried! Hallöchen! Tach auch! Ich hab’ Dich gesehen! Samstag. Sportschau. In Stuttgart. Klasse! Ich meine: Dein Bodenturnen. Wo Du dem Lehmann quasi über den Kopf gesprungen bist. Heijeijei!So einen wie Dich brauche ich in meiner Mannschaft.
Du kannst bei der Olympiade 2010 in London mit machen. Im Fußball wirst Du es sowieso nie wirklich weit bringen. Äh, ja, was ich noch fragen wollte: Kannst Du Reckturnen?“
Sanou springt aus dem Stand an einen waagerecht stehenden Ast einer Grüngürteleiche. Schwungkippe, Ellgriff-Riesenfelge, Gienger-Salto, Tkatschow-Grätsche, weitere drei Kammgriff-Riesenfelgen folgen.
Der Revierpächter, ein 95-jähriger Kölner Anwalt, alterssichtig, streift (ca. 100 m entfernt) wie jeden Tag rein zufällig durchs Gelände, vermutet einen turnenden Problembären, zielt ...
Wie üblich, verfehlt er sein Ziel, trifft jedoch den Ast. Sanou fliegt im hohen Bogen mitsamt Ast durch die Luft und landet in perfekter Haltung vor dem Turneras.
„Super! Das reicht! Du bis engagiert. Und wie ist es mit Seitpferd und Pferdsprung?“
Sanou erklärt gestenreich, dass er in der Jugend mal an einem Pferd hängen blieb, genau da, wo es Männern .. und daher .. Familienplanung kaputt .. lieber nicht.
Der Chor hat unterdessen die Lichtung betreten und singt aus voller Brust, gemeinsam mit den inzwischen vollzählig versammelten Spielern (auch Mondragon ist schon vom Tausendmeterlauf eingetroffen, telefoniert mit seiner Enkelin), Overath, Engels und den Rentnern:
'O Soldo mio'!
Über den Köpfen Hubschraubergeräusche. Das Fluggerät pustet Nebelbäusche und Herbstlaub weg und landet.
Overath (liegt umgeblasen am Boden):
“Wat soll dä Blödsinn? Wat well dä Beckenbauersch Franz dann he? Hammer alt widder Chressdag?“
Ein Mann mit grauer Lockenpracht, riesiger Sonnenbrille, Hemd bis zum Bauchnabel geöffnet, an jedem Ohr ein Handy, klettert mühsam heraus.
Engels, stotternd: „Wat .. wat well dä .. dä Rapolder dann he? Mir bruche noch keine neue Trai …”
Das Dritthandy, am Hosengürtel baumelnd, klingelt mit der Melodie ‚Voulez-vous coucher avec moi ce soir?’
Poldi:. „Quatsch! Dat is doch net dä Uwe! Hej! Dä kenn ich. Us Monte Carlo. Von singem 50 m - Bötche. Dat es dä Flabes. Dä Flabes Briatore.“
Overath (rappelt sich auf): „Wer schießt hier Tore? Den kaufen wir!“
Soldo: „Wasse du wolle, Briatore?“
Briatore: „Ische wolle kaufe die FC Colonia. Wie Queens Park Rangers. Bin Multi - Millionario. Nix mehr Formula Uno. Jetze ische Ahramowitsche vonne Colonia! Machen Numero uno in Germania!“
Der Chor stimmt die zweite Strophe an von ‚O Soldo mio’.
Soldo: "Ich Zvonimir!"
Engels: "Jouw! Ich Tarzan! Du Jane!" (kugelt sich vor Lachen).
Die KStA-Frau, beendet in ihrem Tigra ein Telefonat und notiert: ‚Sportl. Ltr. Meyer: Ja, wir schnüren derzeit ein strategisches Paket zur Sicherung der finanziellen und sportlichen Handlungsfähigkeit in den kommenden Jahren. Mehr kann ich, darf ich leider nicht sagen.’
Briatore: “Machen aus Bockheim Finca und aus Stadio größte Club Billionario in Welt. Wie auf Sardinia. Und habe sexy Girls in rote Strapse. Machen Bunnys in Club.“
Der BILD-Reporter kreischt ins Handy: „Schlagzeile für Morgen: Briatore: Formel 1 – Rennen in Köln Ausrufezeichen. Schumi vor Comeback Fragezeichen.“
Sein Kollege vom EXPRESS telefoniert hinter einem Busch: „Boohh ey! Absoluter Knaller! Aufmacher Morgen: Briatore: Mache aus Rheinenergiestadion größten Puff der Welt Ausrufezeichen.“
Overath, energisch: „Nix do! Do Fummel – Schummel! Do am Kommandostand? Dat fählt noch! Un dann fallen se em Strafraum öm op ding Kommando, wat?
Un dann brängste vielleich noch dä Bernie Ekelstone met?
Ha! Isch blieven Präsdent. Un dä Glowacz Fizze!
Mir koofe nühs!
Mir jävve nühs!
Noch net ens dä Meyers Michel!
Dä es immer noch für jet zo jebruche. Zom Beischpill als avvschreckend Beischpill.“ (lacht, hustet).
An Engels gewandt, leise: “Steff, flöck! Bring de Cheerleadere in Sicherheit! Me kann nie wesse, wenn dä Typ erömläuv! Denk an et Klums Heidi. Och e lecker Mädche von he. Us Schäbbisch Jläbbisch. Un – ons Leckerche solle am beste tireck Keuschheitsjüdele antrecke!“
Engels, kichernd. „Jo, leck mich Fett, do häs Räch. Dä Flabes – dä es wirklich popp – pulär! Un – Ekelstone – Scheff, do bess e Genie!“
Der Nebel deckt einen undurchdringlichen Schleier über den Äußeren Grüngürtel.
Abgang Chor. In der Ferne verklingt ‚O Soldo mio!’
Kauft Briatore den FC?
Formel 1 auf der Aachener Strasse?
Turnt Sanou an der Seite von Hambüchen?
Erkennt Ishiaku endlich ebenfalls seine wahre, wirklich einzige Begabung?
Bleibt Overath Präsident und Glowacz Vize?
Gewinnt der FC mal wieder ein Spiel?
Leidet der Geißbock unter der Schweinegrippe?
Lauter Fragen, von denen die nächste Wahl und der Klimawandel abhängen.
Fortsetzung folgt?
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Ein leidiges Thema, mal Rauf mal Runter und das schon seit Jahren. Hat das mal jemand auf Hintergründe und Mismanagement analysiert?
Ein Par Gedanken zu Missmanagement
Vorausgeschickt, ich bin Anhänger von Borussia Mönchengladbach (bald: Ex).
Mir reicht’s.
Beim Effzeh findet man viele Gründe und Hintergründe, die denen der Fohlen verblüffend ähneln.
Früher war alles besser. Ein abgenutzter Spruch, aber bezüglich der Medien stimmt er. Die haben sich deutlich verschlimmert, siehe Sport1. Immer diese Hype. Wenn keine Nachrichten da sind, macht man welche. Ich erinnere an die nebensächliche Auseinandersetzung zwischen Poldi und dem Dortmunder Türken.
Mann, was war früher schon auf dem Fußballplatz los? Da fand noch nie Kindergeburtstag statt.
Die Erwartungen des Umfelds – immer noch die der glorreichen Jahre. Aber da hießen Vorstand, Management, Trainer und Spieler anders.
Damit sind wir exakt beim Thema.
Overath war ein großartiger Spieler. Aber er ist weder ein Hoeness noch ein Rummenigge. Von Hoeness kann man halten, was man will, aber er hat sportlich zu 50 % richtige Entscheidungen getroffen und Kaufleute für solide Finanzen sorgen lassen.
Das Sammelsurium von Spielern, Mentalitäten und Sprachen beim FC hat längst groteske Ausmaße angenommen. Früher gingen begabte Talente zur Borussia oder zum Effzeh. Heute? Leverkusen oder andere Schreckenskammern.
Der sportliche Leiter hie wie da ist der Sache nicht gewachsen. Der ist entscheidend für die Trainerberufung.
Gut, das ist zu 50 % Glückssache. Aber so viel „Pech“ wie diese beiden, das geht auf keine Kuhhaut. So viel Pech kann man gar nicht haben.
Ich glaube, beide Traditionsvereine haben in 12 Jahren mindestens eben so viele Trainer verschlissen.
Betagte, hoch bezahlte Ex-Stars holen? Mindestens 4 Spieler zähle ich im Kader, einer davon, Brecko, immer noch Stammspieler, die überhaupt nicht Fußball spielen können.
Der Mannschaftskapitän Mohammad schneckenlangsam und mit permanent schlechtem Stellungsspiel, aber Stammspieler.
Petit – endlich aussortiert. Dito Mondragon.
Chihi – Starallüren?
Welchen Plan A hat die sportliche Leitung? Welchen Plan B?
Ich sehe keinen Plan A. Dann benötigt man auch keinen Plan B.
Zu Saisonbeginn las ich ein Interview mit Meier. „Wir sind auf dem richtigen Weg. In ansehbarer Zeit internationaler Fußball. Saisonziel: Vor Borussia landen.“
Na ja, nicht mal das klappt, und was bringt das, wenn man Letzter und Vorletzter wird? Der richtige Weg scheint in den Abgrund zu führen.
Kölns Untergang lässt sich exakt an einem Ereignis fest machen: Die Entlassung Daums anno 1992 durch Artzinger-Bolten.
Danach ging’s stetig aber unaufhaltsam bergab.
Jetzt spielen am Samstag die beiden Tabellenletzten (!) gegeneinander.
O tempora, on mores. Sic transeat gloria mundi.
Op Kölsch: Wenn de Driss an de Schoh häss, haste Driss an den Schoh.
Ja, un nu isser fott, dä Michel Meier.
Hätten sie schon vor mehr als 1 Jahr machen sollen, aber immer hören sie zu spät auf mich....
Genau wie die Gladbacher. Eberl, der einstige Flankentod, und Frontzeck ..
Wer ist schon so naiv, aus Nibelungentreue zu diesen beiden Zaubermäusen abzusteigen?
Frontzeck hat schon in Aachen ein Chaos hinterlassen, dann in Bielefeld.
Was ist denn das für ein Vorstand? Der hat Eberl bestellt, zuvor Ziege, davor Hochstätter, alles Rohrkrepierer, und das haben sie zu verantworten, und der Eberl wiederum den Frontzeck, und genau das hat der zu verantworten.
Aber niemand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Tabellenletzter.
Eberl und Frontzeck sehen sogar darin Positives.
Herr, wirf Hirn vom Himmel!






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Wat saht ihr nu?
Soldo muss jetzt schon gehen.
Der Beitrag ist über 1 Jahr alt.
Wann geht Meier?