Demokratie zwischen Trauer und Angst
26.07.11 : 12:21 : 114 mal gelesen : Verstoß melden
geschrieben von Karl F.
Auch in Bergisch Gladbach ist das Massaker in Norwegen Hauptgesprächsthema. Angst, Wut und Unverständnis herrschte bei den Gespräche vor, die ich mit Freunden, Bekannten und anderen Hiesigen - und damit sicherlich nicht mit einem repräsentativen Teil der Gladbacher führte.
Einige forderten mehr polizeiliche Aufklärung, geheimdienstlichen Abhörmaßnahmen und auch der Ruf nach der Todestrafe wurde laut oder hinter vorgehaltener Hand geäußert.
Andere waren auch nachdenklicher und fragten sich, welchen persönliche Werdegang der Attentäter wohl hinter sich habe. Sie wunderten sich, dass den Jugendbehörden nicht schon frühzeitig etwas aufgefallen sei.
Ich denke, eine standhafte demokratische Haltung beweist sich vor allem in politischen Krisen und Gefahrensituationen. In Norwegen trauert ein ganzes Volk um die Toten des Massakers, das ein irre geleiterter Rechtsradikaler anrichtete. Gleichzeitig versichern sich die Norweger aber auch der Treue zu ihren Werten – zu Freiheit, Offenheit, Menschlichkeit und Demokratie.
In Deutschland hingegen werden offenbar vor allem Ängste ausgelöst, die hiesige Bürger und Politiker nach mehr Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen, nach härteren Strafen und Vorratsdatenspeicherung verlangen lassen.
Zum Glück mahnen empathischere deutsche Mandatsträger wenigstens an, zunächst der Trauer den notwendigen Raum zu geben.
Aber was kommt danach?
Wird der deutsche (Angst-)Schrei nach einem starken Sicherheitsstaat, nach durchgreifenden Regenten, nach Misstrauen gegenüber Fremden und Unkontrollierbarem einmal mehr zeigen, auf welch unsicherem Fundament unsere deutsche Demokratie noch immer steht?
Dabei werde ich den Verdacht nicht los, dass wir Deutsche aus Angst vor der Rückkehr des nationalsozialistischen Systems nur bedingt demokratisch zu leben versuchen.
Demokratie braucht aber vor allem Mut und Überzeugung.
Und Angst? Eher nicht.
Beitrag teilen:
Facebook
Twitter




Facebook
Twitter